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  • Evelyn Simon

Über die Vereinsgründung: Es war einmal....

Aktualisiert: Feb 16

... der Traum vom öffentlichen Raum für alle.


Die Vision von einem lebenswerten Umfeld. Von Menschen, die sich für ihre Nachbarschaft einsetzen. Der Traum vom Miteinander aller Generationen, unterschiedlicher Herkunft und Klassen. Geht nicht? Klar geht das!

Wenn Menschen zusammenkommen und nachdenken. Meinungen und Ansichten austauschen. Sich gegenseitig zuhören. Einfach machen. Menschen, die nach vorne schauen, die sich nicht durch Bremsklötze aufhalten lassen. Menschen, die sehen, was möglich sein kann. Gelebte Nachbarschaft.


Am Anfang stand der Ärger und die Hilflosigkeit. Der Ärger über eine verwahrloste, verwaiste Umgebung. Wo der Drogenhandel nach Raum griff. Wo der Müll sich sammelte. Dunkle Ecken, die bedrohlich wirkten. Hilflosigkeit, weil auch die Staatsmacht sich hilflos zeigte.

„Alle sagten, das geht nicht. Dann kamen einige, die wussten das nicht. Und machten es.“


Dann kam die Idee. Die Idee, zusammen zu kommen.

Eine Zusammenkunft im Sommer 2019, um eine Bestandsaufnahme zu machen. Sich die Missstände anzuschauen. Was ist nicht gut auf dem Gelände an der Michaelschule? Wie können wir es besser machen? Wie können wir es wieder nutzen? Sich über Missstände beklagen kann jeder. Aber zu erkennen, dass WIR es sind, die unser Leben in der Hand haben - diese Erkenntnis trifft uns manchmal wie ein Schlag. Wir sind es, die entscheiden, wir Bürger*innen entscheiden, was mit unserem öffentlichen Raum passiert!

Ein Treffen mit der damaligen stellvertretenden Bezirksbügermeisterin Hillevi Burmester, organisiert von einem engagierten Anwohner, Till Eitel, brachte auf den Schlag weg mehrere Duzend Anwohner*innen zusammen. Wie können wir den öffentlichen Raum für uns wiedergewinnen, um Drogenhandel, Kriminalität und Verwahrlosung zu vermindern. Was können wir aus diesem Gelände machen?

Bei Wein, Bier, Häppchen und weiteren Köstlichkeiten genossen alle aktiven Anwohner*innen an dem Tag eine wunderbare Gastfreundschaft. Einige Stunden später waren alle der Ansicht, tolle Nachbarn zu haben. Viele sahen sich das erste Mal oder waren überrascht, solch unfassbar nette Menschen in ihrer Umgebung zu haben. Eine bei der Gelegenheit beschlossene gemeinschaftliche Müllsammelaktion brachte die Menschen einander nochmal näher. Gemeinschaft macht Spaß, gibt Kraft und Energie - macht einfach Lust auf’s Leben.

Von da an - seit diesem Sommer 2019 spielen dort Kinder, deren Eltern bereits lustvoll gärtnern. Ein Diner en Blanc folgte. Alles in weiß. Es führte erneut alle Menschen zusammen. Gemeinsam essen und reden, spielen und toben. In der traumhaft morbiden Kulisse dieses einzigartigen Areals!

Aktionen, die Spaß machen – und das Gelände belebten.

Dann: Urban Gardening, ein Bücherschrank, eine Tischtennisplatte – das waren die ersten Ideen, die im Herbst 2019 mit Hilfe einer großen Mehrheit in der Bezirksvertretung bewilligt wurden. Und die Verwaltung stand den Ideen der aktiven Bürger*innen aufgeschlossen gegenüber.


Und weiter?

Seit Sommer 2020 gibt es einen Verein, der die Interessen der Menschen vor Ort umzusetzen versucht. Warum? Vereinzelt schaffen die Menschen die Bewältigung der großen Herausforderungen nicht. Das Gelände umfasst jahrzehntealte Problembereiche. Bislang passierte nichts. Klagen und Beschwerden einzelner Anwohner verhallten. Ein Verein hat Schlagkraft, sagt Nils Fasting, der Vorsitzende. Erst die Gründung des Vereins, der die Einzelstimmen zusammenfasst und ihnen Gewicht gibt, bewirkt, dass die Stimmen gehört wurden und die Stadt tätig wird. Es ist die Beteiligung vieler Menschen, die alle gemeinsam dazu beitragen, dass der öffentliche Raum lebendig und lebenswert wird.

Mittlerweile gibt es eine Kooperation mit der Kompostieranlage in Wachtberg sowie mit der Initiatoren der BonnBox in der Bonner Altstadt, Sophie Schraml und Darius Roncoszek, die übriggebliebenen Gelder aus dem Haushalt 2019/20 dem Projekt Michaelschule zur Verfügung stellte. „Eine GiveBox schafft Gemeinschaft, sagt sie. „Sie ist so was wie ein Bücherschrank - nur eben für alles andere“. „Der soziale Aspekt einer GiveBox kann nicht hoch genug geschätzt werden. Es wird vor Ort beständig ein Kommen und Gehen, ein Geben und Nehmen geben.“ Und Hochbeete, die im Frühjahr 2021 zusammen mit der Box aufgebaut werden sollen – wenn ein soziales, coronakompatibles Miteinander wieder möglich ist. Wo Gemeinschaft lebt, zieht sich die Kriminalität zurück; Drogenhändler wollen keine Zuschauer.

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